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Der Chef ist auch immer ein Gärtner 21.01.2007
  Sind Sie Führungskraft? Suchen Sie nach einem Führungskonzept das wirklich und vor allem dauerhaft funktioniert? Lesen Sie "Das Gärtner-Prinzip".
 

"Wenn Du nicht schlagartig wächst und Früchte trägst, gieße ich Dich nicht mehr und stelle Dich in den Keller !"

 

 

Können Sie sich einen Gärtner vorstellen, der einen Satz wie diesen zu seinem Apfelbaum oder seiner Bananenstaude sagt? Natürlich nicht. Aber nicht nur weil Apfelbäume und Bananenstauden keine Ohren haben, sondern weil ein Gärtner Dinge kennt, die sehr viele Führungskräfte geflissentlich ignorieren: Vorlieben, Abneigungen, Bedürfnisse, Befindlichkeiten, Eigenarten und alle diese Dinge, die ein Lebewesen ausmachen. Ja, liebe Kollegen Führungskräfte, auch Menschen sind tatsächlich Lebewesen. Ich kenne Firmen, in denen man anstatt Mitarbeiter oder Kollegen AK (Arbeitskräfte) sagt. Oder solche, in denen der Personalbedarf einer Abteilung in zwei Nachkommastellen ausgedrückt wird ( im Sommer brauche ich 43,47 Mann mehr...). Es gibt Betriebe, in denen Leitsätze, Leitbilder oder Werte verordnet werden wie man bei Kopfschmerzen Aspirin verordnet. Manche gehen noch weiter und verordnen diese Dinge gegen alles: Absentismus, Fluktuation, Unfallhäufigkeit, Alkoholismus, geringe Produktivität, Absatzschwierigkeiten... als ob man sich tatsächlich aus einer Konzernzentrale heraus mit in paar markigen Sprüchen und etwas Geld die Mitarbeiter backen könnte, wie man sie haben will.

 

 

Alle diese Beispiele zeigen eins: Während die Pflanze nicht aufhören kann, Pflanze zu sein, sich nicht entpflanzen kann, lebt der Mensch ständig in der Gefahr sich zu entmenschlichen. Ein guter Gärtner wird eine Pflanze nicht schlecht beurteilen oder abmahnen, wenn sie nicht so wächst wie er es sich vorstellt. Er wird sich um sie kümmern, sie pflegen, ihr Aufmerksamkeit schenken und ihr geben was sie braucht – weil er weiß was sie braucht.

 

 

Stellen Sie sich eine neue Firma vor, eine Firma, die noch keinen Angestellten, kein Büro, keine Produktionshallen oder Lager hat. Das Errichten dieser Firma lässt sich direkt mit dem Anlegen eines Gartens vergleichen. Hier können Sie je nach Ausrichtung des Grundstücks und der Bodenbeschaffenheit mit viel oder wenig Arbeit und Ressourceneinsatz Ihren Garten verwirklichen. Der Gärtner wählt die Gestaltungselemente, das Thema und die Pflanzen aus, macht sich Gedanken und Pläne, setzt sie um, bessert nach und hat irgendwann den fertigen Garten vor sich liegen. Jedoch sind die Pflanzen noch klein, noch nicht verwurzelt und es vergehen viele Jahre bis das harmonische Bild, das der Gärtner vor Augen hatte, sich langsam vor den Augen des Betrachters zu  zeigen beginnt. Jede einzelne Pflanze, jeder Baum und jeder Strauch ist genau dort wo er hingehört, sie wachsen und gedeihen, denn sie werden nach ihren Bedürfnissen und Vorlieben gegossen, gedüngt, auch beschnitten und manchmal auch umgesetzt. Der Gärtner kennt sie alle bei Ihrem Namen und der Garten erscheint dem Besucher wie ein gelungenes Kunstwerk.

 

 

Und was würde ein moderner Manager tun? Nun, sein Planungsstab wird zuerst überschlägig den Bedarf an Hallen und Produktionsmitteln errechnen, dann das Unternehmen planen und die Ausführung beauftragen. Je nach Unternehmenszweck wird er kurz vor Fertigstellung den ermittelten Bedarf an Angestellten und Arbeitern durch Einstellung decken, zweckmäßigerweise wird ein großer Teil befristetes Personal oder Leihpersonal sein, das man später leicht wieder los wird wenn die Umsatzzahlen nicht dem geplanten Umfang entsprechen. Wenn die Produktion beginnt, wird das mit Geburtswehen einhergehen, mit Reibungsverlusten, es wird Missverständnisse und Misserfolge geben. Schnell sind die Schuldigen ermittelt, werden versetzt oder entlassen. Andere kommen, wollen alles besser machen und machen doch nur andere Fehler. Bis das junge Unternehmen einigermaßen funktioniert, gehen ebenfalls viele Jahre ins Land.

 

 

Schauen Sie sich jetzt die Zahlen an: die Fluktuation ist hoch, der Krankenstand auch. Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen ist, wenn überhaupt, nur noch am Ersten des Monats spürbar. Die Qualität der Produkte ist ständig Gegenstand von Krisengesprächen, die Organisation funktioniert durch Druck und Gegendruck. Die Produktivität sinkt anstatt zu steigen. Der Standort ist im Gespräch, schon wird überlegt ob man das ganze nicht nach Tschechien oder gleich nach Korea verlegen sollte. Unternehmensberater werden engagiert, erzählen für teures Geld was man sowieso schon weiß: Dass man mit weniger Menschen mehr produzieren muss um konkurrenzfähig zu bleiben oder zu werden.

 

 

Vergleicht man nun dieses Unternehmen mit einem Garten, stellt man fest: von Harmonie keine Spur; ein wildes Durcheinender von Pflanzen, die sich gegenseitig im Licht stehen, Unkraut überall. Die Pflanzen tragen keine oder wenig Früchte, Schädlinge fressen die jungen Blätter und machen die wenigen Früchte ungenießbar.

 

 

Hier setzt eine neue Methode der Unternehmensführung an: das Gärtner-Prinzip. Wie ein guter Gärtner auch aus einem verwilderten Garten wieder ein kleines Paradies machen kann, so kann auch der veränderte Umgang mit den Mitarbeitern das Blatt wenden und eine Firma wieder zum Erfolg führen. Was braucht man dazu? Nicht viel; und doch lassen sich die wenigsten Manager auf dieses Prinzip ein, denn sie wollen schnell Zahlen sehen. 30% der Belegschaft entlassen, die Leistung auf die übrig gebliebenen verteilen und schwupp: die nächste Jahresbilanz ist gerettet. Der erfolgreiche Manager wird befördert, die Firma irgendwann verkauft oder geschlossen, neues Thema.

 

 

Was aber würde ein Gärtner tun? Er würde die wilden Triebe der Bäume und Sträucher behutsam zurückschneiden um sie zu entlasten. Sie werden dadurch verjüngt, treiben kraftvoll neu aus und tragen reiche Früchte. Unkraut und Dinge, die der Garten nicht braucht, werden so entfernt dass die Nutzpflanzen keinen Schaden nehmen. Die Wege werden gesäubert und der Rasen gemäht; vielleicht wird auch die eine oder andere Pflanze behutsam ausgegraben und an eine Stelle gesetzt, an der sie viel besser zur Geltung kommt. Vielleicht wird ein automatisiertes Gießsystem eingesetzt, damit sich der Gärtner diese Zeit sparen und sich noch intensiver um seinen Garten kümmern kann. Und eines Tages geht er durch sein Werk, erfreut sich daran und findet gar nichts mehr, was er verändern müsste. Dann ist der Punkt erreicht, an dem anstatt der Aufbauarbeit die Pflegearbeit beginnt. Jeden Tag ein Bisschen, hier ein Zweig, da ein kecker Grashalm oder Löwenzahn zu viel, wer diese Dinge im Blick hat, dem dankt es der Garten tausendfach.

 

 

Wenn Sie mehr über diesen neuen Ansatz der Menschen- und Unternehmensführung wissen möchten, sprechen Sie uns bitte an. Sigma Continental Consulting Ltd. bietet Seminare, Coaching, Prozessbegleitung und Qualifizierungskonzepte an, die auch Ihnen helfen können. Dabei ist es gleichgültig ob Sie zwei oder 100.000 Angestellte haben, ob es Ihre eigene Firma ist oder Sie als Führungskraft angestellt sind. Es ist egal ob Sie Vereinsvorstand, Vater, Feuerwehrkommandant oder Pfarrer  sind: Das Gärtner-Prinzip ist universell und macht in jedem Fall erfolgreich.
   
   
   
Eingestellt von*:   Horst Narwutsch
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