| In jeder Hinsicht gilt der bekannte Ausspruch „Der Ton macht die Musik“ auch in der Geschäfts- und Berufswelt. Der Klang der Stimme ist bei dem so zentralen ersten Eindruck genauso entscheidend wie Ausstrahlung, Aussehen oder Auftreten. Letztlich hängen diese vier Aspekte untrennbar zusammen!
Es gibt Stimmen, die als eng, rau, schrill oder vielleicht spitz empfunden werden. Anderen Stimmen wird ein warmer, runder, weiter oder herziger Klang zugesprochen. Letzteres gilt als positiv! Während ersteres vom Hörenden oft als unangenehm – oder negativ – bezeichnet wird.
Die bekannte Pädagogin Franziska Martienssen-Lohmann bezeichnete es als Muskelsinn (in „Der wissende Sänger“), was im Beispiel oben genannt wurde. Wenn ich eine enge Stimme höre oder eine warm klingende – so stellen sich bei entsprechender Wahrnehmung unterschiedliche Körperempfindungen ein: hier beklemmend, verspannend und verengend und dort befreiend, entspannend und loslassend. Der Hörer empfindet quasi körperlich meine Stimme!
Körperliche Zustände sind stimmliche Zustände! Meine Stimme beginnt bei meinem (Körperempfinden)!
Emotionale Zustände sind stimmliche Zustände! Meine Stimme beginnt bei meiner emotionalen Lage (Psychohygiene)!
Da es schwierig ist mit meist „kurz angebundenen“ Menschen aus verschiedensten Geschäftsbereichen eine Psychohygiene (Therapie o.ä.) zu betreiben, aber die gründliche Ausbildung in der Fähigkeit der Selbstwahrnehmung unabdingbar ist, bleibt als Werkzeug der Körper in erster Linie sowie auch die Fantasie, die es anzuregen gilt.
Die oben verwendeten Begriffe „eng“ und „rau“ können nicht nur vom Sprechenden/Singenden empfunden werden, sondern sie sind sichtbare Ereignisse:
Eine Stimme ist eng, wenn der Vokaltrakt (d.h. der variable Raum zwischen Stimmlippen und Gaumensegel) eng und nicht weit, wie z.B. beim Gähnen, ist. Rau heißt, dass zuviel Luft beim Sprechen/Singen aus der Stimmritze austritt, also nicht die ganze ausströmende Luft in Schwingung umgewandelt wird. Das sind also messbare Zustände, die aber auch selbst und von außen empfunden werden können!
Die Begriffe „rund“ und „weit“ sind ebenso messbar, wobei sie fast synonym sind:
Wenn der Vokaltrakt sich weiten darf (z.B. bei einer öffnenden Einatmung durch den Mund), ist wirklich zu sehen, wie es im Hals weiter wird, der Kehlkopf sich senkt. Gleichzeitig ist sichtbar, dass der Klangkörper auch runder bzw. ovaler erscheint. Weite und Rundung im Klang sind erfahrungsgemäß für Sprecher/Sänger wie auch Hörer angenehmer!
Also sind die angenehmen und nützlichen Seiten der Stimme körperlich erfahrbar.
Der Weg zu dieser Erfahrung soll unter dem Aspekt der knappen Zeit leicht und effizient zu beschreiten sein. Der Weg soll einerseits verständlich entwickelt werden (ohne Entwickeln, findet kein wirkliches Lernen statt), andererseits aber schnell begreifbar sein. Der große Zusammenhang ist wichtiger als viele Puzzelteile!
In einem Trainingstag werden z. B. folgende Aspekte erarbeitet (in jeweils 60 minütigen Sitzungen):
Grundlegende physische Kenntnisse
Als Grundlage der Stimme die Atmung
Atmungs-Erfahrungen werden in Beziehung zur Stimme gesetzt.
Stimmlich-technische Aspekte werden erläutert und geklärt.
Stimmliche Arbeit bezüglich der Bedürfnisse verschiedener Berufsgruppen.
Teilfunktionen der Stimme (Rufen, Schreien, Anweisungen etc.) und ihre technische Umsetzung.
Zu 1.
In Form von einem Vortrag mit gründlichen Erklärungen und Folien werden die wichtigsten Körperteile, die mit der Stimme zu tun haben erläutert. Ebenso die Funktionen und körperlichen Zusammenhänge.
Zu 2.
Learning by doing. Mittels Körperübungen und bezugnehmend auf die Theorie wird die Atmung in den meisten ihrer Schattierungen erarbeitet.
Das sind z. B. das Gefühl für das Zwerchfell und seine Senkung(-smöglichkeiten), die Rippen, der Rücken oder die Bauchdecke. Die Nebeneffekte der Atmung werden ebenso besprochen: wie die aufrichtende Funktion der Einatmung oder das Gefühl „ich darf mich weiten“. Die Körperübungen sind einfacher Natur: Armstrecken, -kreisen, Beinheben, Bein auf Stuhl o.ä. Sie dienen nur dafür, Aspekte von Atmung und Stimme zu verdeutlichen und zu üben!
Zu 3.
Das erlebte Atemgeschehen soll hier nun anfänglich in die Praxis umgesetzt werden. Anhand von häufig gebrauchten Text-Phrasen (z.B. die oft lange Begrüßungsformel am Telefon) werden nun die Übungen mit dem Ziel eingesetzt, die Stimme schonender und effizienter – wohlklingender, angenehmer – einzusetzen. Die Teilnehmer, die im Sitzen sprechen, üben es im Sitzen, andere dann im Stehen.
Über spezifische Übungen – anderes Sitzen, besserer Einsatz von Konsonanten oder Veränderungen im Bereich der Aktivität von Kiefer und Zunge – werden jetzt spezielle Stimmfragen anhand der Stimme geklärt.
Zu 4.
Der vierte Teil ist eine Fortführung und Vertiefung des dritten mit spezifischerem Eingang auf Fragen der unterschiedlichen Berufsgruppen. D.h., dass freundliches Sprechen auch seine Technik hat; Zurechtweisen, Hinweisen, das Halten von langen Reden oder Rufen ebenso.
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So können in einem Tag zahlreiche Zusammenhänge zwischen Stimmung, Körper, Atmung und Stimme erarbeitet werden.
Der Körper und die eigene Aufmerksamkeit auf mich selbst ist in jeder Phase eines Workshops das wichtigste Lernmittel. Nicht der Verstand, sondern das „Lernen über den Körper“, das Tun steht hier im Mittelpunkt.
Das ganze kann aber nur ein Grundstein für eine fortlaufende Arbeit. Um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen, müssten mit den Teilnehmern regelmäßige weitere Trainingseinheiten durchgeführt werden. Aber ein Tag kann trotzdem schon viel bewirken!
Ziel der ganzen Arbeit soll sein, die Stimme wieder in en anderes Licht zu rücken, ihr einen neuen Stellenwert zu geben: den des zentralen Kommunikationsmittels.
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